Ein paar Gedanken, die mir letztens so durch den Kopf gingen. Kultur ist ständig überall Thema, und trotzdem scheint sie sich immer weiter von den Menschen zu entfernen. Hochglanz, Buzzwords, Förderanträge. Viel Lärm, manchmal weniger Gefühl. Also: Was ist Kultur eigentlich? Und seit wann gibt es sie?

Wenn man es ehrlich betrachtet, ist Kultur ziemlich alt. Älter als jedes System, jede Institution, jeder Etat. Kultur gab es schon, bevor irgendjemand beschlossen hat, sie zu verwalten. Menschen sind zusammengekommen, haben Musik gemacht, Geschichten erzählt, Dinge gebaut, bemalt, verziert. Nicht für Likes. Nicht für Reichweite. Sondern, weil es sich richtig angefühlt hat.

Kultur beginnt da, wo Menschen zusammenkommen

Für mich ist Kultur vor allem eins: Zusammenkunft. Menschen, die sich begegnen. Die sich austauschen, streiten, lachen, gemeinsam etwas erschaffen. Kultur passiert nicht allein. Sie entsteht zwischen Menschen. In Räumen. In Momenten. Und nein, das muss nicht groß sein. Oft ist es genau das Gegenteil. Kleine Bühnen. Proberäume. Werkstätten. Küchen (In so einer habe ich erst vor Kurzem eine ziemlich gute Musik Session mit Freunden gehabt!). Orte, an denen niemand zuschaut und genau deshalb etwas Echtes passiert. Kultur ist kein Produkt; Kultur lässt sich nicht einfach herstellen, skalieren oder planen. Sie ist ein Prozess. Manchmal chaotisch, manchmal leise, manchmal laut. Aber immer lebendig und mit vielen Emotionen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sie so schlecht in Tabellen passt. 😉

Tradition ist kein Museum

Ein Punkt, der mir wichtig ist: Kultur heißt nicht Stillstand. Traditionen zu bewahren bedeutet nicht, sie einzufrieren. Es bedeutet, sie weiterzutragen. Neu zu denken. Sie in die Gegenwart zu holen. Gerade im Kunsthandwerk sieht man das gut. Alte Techniken treffen auf neue Ideen. Bewährte Abläufe auf frische Materialien. Das ist kein Widerspruch, sondern das ist einfach Weiterentwicklung. Kultur lebt davon, dass sie sich bewegt. Wenn sie stehen bleibt, wird sie zur Deko. Viele der spannendsten kulturellen Momente passieren irgendwie dazwischen. Nach dem Konzert. Beim Aufbau. Beim Abbau. Beim Gespräch am Rand. In der Werkstatt, wenn aus einer Idee langsam etwas Greifbares wird. Ich habe viele dieser Momente erlebt in der Musik, in der Kunst, im Handwerk. Und fast immer ging es um Gemeinschaft. Um gegenseitige Unterstützung. Um das Gefühl, Teil von etwas zu sein, das größer ist als man selbst.

Kultur ist Haltung

Für mich ist Kultur keine Kategorie. Sie ist eine Haltung. Wie man arbeitet. Wie man miteinander umgeht. Ob man zuhört. Ob man Raum lässt. Ob man Dinge einfach macht, weil sie gemacht werden müssen. Kultur zeigt sich nicht nur im Ergebnis, sondern im Weg dorthin. Ich glaube, wir sollten Kultur wieder näher an uns heranlassen. Weniger als Event. Mehr als Alltag. Weniger geschniegelt. Mehr ehrlich. Und auch mal ein bisschen schmutzig, ein bisschen laut, ein bisschen unbequem.

Denn Kultur war nie perfekt. Aber sie ist immer echt.

Vielleicht beginnt Kultur genau dort, wo jemand eine Idee teilt.
Oder jemand zuhört.
Oder Menschen beschließen: Lass uns das zusammen machen.

Und ganz ehrlich: Mehr braucht es oft nicht.